Interview: Jenny Linhart- Teil II

Hier kommt er nun: der zweite Teil des Interviews mit Jenny Linhart.
Den ersten Teil findet ihr HIER.

Hast du ein Hobby, das du regelmäßig ausübst?

Ja und nein. Ich lese, tanze, schreibe gerne – das größte Hobby ist ein Musicalprojekt mit meinem Sportverein, das wir im Herbst aufführen werden. Eine Adaption von Alice im Wunderland. Weil ich aber den Text schreibe, Regie führe UND mir die Projektleitung mit einer anderen Mama teile, ist es im Moment ein bisschen mehr Job als Hobby. Aber ich unterscheide da auch nicht so sehr. Ich versuche insgesamt nur Dinge zu tun, die mich weiterbringen, herausfordern und so auf eine schräge Art und Weise glücklich machen.

Es scheint, als lebst du deine Träume, hast du noch mehr?

Seine Träume zu leben klingt immer so hochtrabend und realitätsfern. Dabei bin ich natürlich genauso in Zwängen gefangen wie jeder andere Mensch auch. Ich denke, dass es wichtig ist, seine Ideen einfach mal auszuprobieren und loszulegen. So habe ich es mit Brautkästchen gemacht und auch als freie Traurednerin bin ich einfach gesprungen. Brautflohmarkt brauchte ein bisschen mehr Vorbereitung ;-)
Aber vor einiger Zeit bin ich auch mit einem echten Herzensprojekt so richtig gescheitert – und zwar an mir selbst. Ich bin tatsächlich daran gescheitert, einfach loszulegen und richtig Gas zu geben. Angst vor der eigenen Courage. Das ist mir mit Brautkästchen nicht passiert und jetzt hab ich den Salat ;-)
So, aber es ging ja um meine Träume. Klar, ich habe noch sehr, sehr viele. In erster Linie geht es dabei immer darum: Wie kann ich meine Arbeit und meine Familie gut vereinen? Wie kann ich meinen Tag mit einer Tätigkeit ausfüllen, die mir auch noch meine Miete zahlt und meinem Intellekt gerecht wird? Tatsächlich bin ich durch mein Studium hoch qualifiziert und klar, das ist immer mal wieder einer meiner inneren Konflikte: Werde ich meinem Potential gerecht? Habe ich mein Studium (und die Studiengebühren!!) auch nicht verschwendet? Könnte ich es vielleicht leichter haben? Ich träume aber auch davon in ein paar Jahren mit Emma und ihren Freundinnen bei uns in der Küche zu stehen und Weihnachtskekse zu backen. Es soll außerdem einen Adventssonntag geben, an dem wir nur Weihnachtsfilme schauen – einen, an dem wir das ganze Haus dekorieren. Ich will mit Emma basteln, spielen und ihr ganz viel Feenstaub in die Kindheit pusten – aber eben auch arbeiten. Wir träumen auch von einem eigenen Haus – am liebsten ein Hüttchen im Wald, ohne Nachbarn, aber das wird wahrscheinlich eher ein Wunschtraum bleiben.

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Dieses Jahr wird geprägt sein von der Frage: Wie viel hält Brautkästchen aus? Wie tragfähig ist das Konzept an sich? Kann man davon leben? Können vielleicht sogar zwei davon leben? Denn eigentlich würde ich gerne jemanden einstellen, sobald es finanziell möglich ist. Ich denke auch, dass ich in irgendeiner Form nach Ablauf der Elternzeit bzw. des Elterngeldes wieder in einen regulären Teilzeitjob zurückkehren werde – allein für die Krankenversicherung & Co lohnt sich das.
Ich arbeite außerdem an einem weiteren Projekt, das mir die Chance gibt, das damals vergeigte Herzensprojekt wieder auszugleichen bzw. neu anzugehen. Mal sehen, was sich daraus entwickelt.
Außerdem habe ich immer wieder den Wunsch, als strategische Beraterin für Einzelunternehmer_innen und KMUs tätig zu sein – Ordnung ins Gedankenchaos zu bringen und einen roten Faden zu entdecken, jemanden zu motivieren und erste Schritte am Markt aufzuzeigen, das sind eigentlich meine Stärken und Dinge, die mich unglaublich antriggern. Mal schauen, ob und wann ich dazu komme. Zudem ist mein Mann auch selbstständig und hat einige Ideen – eine gemeinsam geführte Marke, das wäre sein großer Traum… und auch ich fände das ziemlich klasse.

Wie sieht ein normaler Tag bei dir aus?

Normalerweise stehe ich zwischen 5 und 7 Uhr auf – je nach dem, wie viel zu tun ist, wann ich abends ins Bett gegangen bin und wie müde ich bin :-D Zwischen 7 und 8 Uhr hat Emma das erste Mal Hunger: Dann wird gefüttert, geschmust, angezogen und ein Tee gekocht. Dann sitze ich das erste Mal am Schreibtisch, während Emma im Laufstall oder auf ihrer Krabbeldecke spielt. Meistens schläft sie gegen 9 oder 10 Uhr noch einmal eine Stunde. Vorher versuche ich zu duschen, dabei ist sie in ihrer Babybjörn Wippe mit im Bad (übrigens, ich hätte es nicht gedacht: weltbeste Anschaffung als Neu-Mami! Wirklich! Nie wieder mit Babyphone duschen und mit Schaum im Haar ins Schlafzimmer hetzen!). Zwischen 11 und 12 Uhr gibts für Emma Mittagessen und ich werfe mir auch eine Kleinigkeit zwischen die Zähne. Häufig nutze ich dann die Gelegenheit, um die Küche sauber zu machen ;-) und wir spielen eine Runde. Am Nachmittag, nach ihrem Fläschchen, schläft Emma nochmal 1-2 Stunden, entweder bei Oma im Kinderwagen oder in ihrem Bett. Danach ist ab 16 Uhr Babytime: Abendbrei & spielen mit Mama und Papa, der im Winter gegen 16:30 Uhr zuhause ist, im Sommer sehr viel später (Zimmermann halt). Ich koche, sodass wir um 18:30/19:00 Uhr gemeinsam zu Abend essen, um 19:30 Uhr beginnt Emmas Nachtroutine. Je nach To Do-Listen-Status wird dann mit dem Mann gekuschelt oder mit dem Laptop. Ich arbeite sehr viel am Computer, was heutzutage ja ziemlich üblich ist – und mich recht flexibel macht. Emma findet das häufig langweiliger als Hausarbeit, aber da muss sie durch ;-) Meistens schläft sie ganz gut durch und braucht bis Mitternacht alle Stunde eine kleine Beruhigungseinheit und ihren Schnuller. Das harmoniert sehr gut mit meinen Schlafzeiten – vor 12 bin ich selten im Bett. Einmal in der Woche haben wir Krabbeltreff und ich zudem noch einmal Rückbildung. Sobald die abgeschlossen ist, möchte ich noch etwas mit Emma machen, wahrscheinlich Babyschwimmen (Wasser fand sie zwischen dem 3. und 6. Monat leider extrem blöd). So kommen wir auch zu unserem Ausgleich und Ausgang. Ah ja, der Krabbeltreff-Montag wird auch für den Wocheneinkauf genutzt. Sehr effizient ;-)

Wie sähe dein perfekter Tag aus?

Gibt es den überhaupt? Ich versuche jeden Tag so gut wie möglich zu gestalten. Perfekt ist ein Tag aber, wenn ich viel Zeit mit der Familie hatte, die Arbeit mal ruhen lassen konnte (das fällt mir am allerschwersten!) und es richtig gutes Essen gab. Und wir viiiiieeel gelacht haben. Das ist für mich perfekt.

 

Liebe Jenny, herzlichen Dank für den Einblick in dein Leben, in deine Familie, in deine Unternehmen und auch in deinen Kopf. Danke für deine Inspiration, danke, dass du zeigst, dass man sich manchmal einfach trauen muss! Wir wünschen dir alles, alles Gute, mit Brautkästchen, mit deinen weiteren Plänen und auch euch als Familie alles Liebe!

 

Das Interview führte Sarah

 

 

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Ein Gedanke zu “Interview: Jenny Linhart- Teil II

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